Allgemein Erziehung, Bildung, Pädagogik
verena glass  

Wir bestimmen was uns wichtig ist!

Wenn ich mich zurückerinnere, dann habe ich das Gefühl, als wenn es Jahrhunderte her wäre, wo ich geflirtet, gefeiet und sorgenfrei war. Es bedrückt mich und wenn ich beobachte, dass mein 14-jähriger Sohn seine Bekanntschaften nur noch online pflegt, und das jetzt fast 1 Jahr, macht es mich unsagbar traurig. Ich möchte nicht über Politik sprechen. Das ist nicht mein Thema, sondern die Angst wie wir eine abgestorbene Gesellschaft werden. Mein Sohn fand es bereits vor Corona sehr eigenartig und schaut mich an, als käme ich von einem anderen Stern, wenn ich ihm erklärte, dass ich in seinem Alter einfach los bin, habe bei Freunden geklingelt und gefragt, ob jemand Lust hätte rauszukommen. Ein Handy hatte ich nicht und ein Haustelefon die meisten meiner Bekanntschaften auch noch nicht.
„Ohne dass ihr verabredet wart?“ Er konnt es nicht fassen. Er erklärte mir, dass dies unhöflich ist und man vorher einfach mal anfragen muss, ob der andere Zeit hat.
Für die heutige Zeit hat er Recht. Leider. Ich weiß nicht, wann ich das letzte Mal jemanden spontan besucht habe, und ich würde es mich auch nicht trauen!

So sehr haben wir uns verändert. Wir haben nicht mehr spontan für Freunde Zeit und manchmal erwische ich mich beidem Gedanken, ob ich anfragen an Sex in einem Timer notieren sollte, um mich mit meinem Mann abzusprechen.

Haben wir heut zu Tage echt weniger Zeit als früher oder nehmen wir uns keine Zeit mehr?

Es erschreckt mich immer wieder auf Neue, wenn ich den Bericht meines Handys einsehe, wie viel Zeit ich mit ihm verbracht habe. Zeit mit meinem Handy verbracht habe! Allein diesen Satz muss man sich doch wirklich mal verdeutlichen. Ich will das nie glauben. Diese Zeit könnte man wirklich sinnvoller nutzen. Ich weiß das aber ich tue es dennoch immer wieder.

Ist es die Sucht nach Ablenkung? Die Sucht nach Anerkennung?
Ich denke, wir haben alle unsere Gründe.

Wenn ich darüber nachdenke, warum dies so wichtig geworden ist, finde ich keine wirklich befriedigende Antwort.

Ich schreibe gerne. Ich schreibe Artikel, ich schreibe Berichte, ich Schreibe Bücher. Zum Teil bekomme ich Geld dafür, was natürlich auch eine Form der Anerkennung ist, und zum Teil, tue ich es, weil ich das Gefühl habe, dass es mich sonst innerlich verbrennt, wenn ich es nicht in Form von geschriebenen Worten loswerde. Ich weiß nicht, ob man dies verstehen kann.
Wenn ich auf Facebook Bilder poste, die süß oder lustig sind, dann gibt es Likes. Wenn ich meine Artikel poste, gibt es die meistens nicht. Es ist der tiefe Wunsch nach Anerkennung aber warum?
Warum haben wir verlernt, uns selber zu sehen? Warum ist es so wichtig geworden, was andere von uns denken? Warum ist alles so schnell und vergänglich geworden? Warum nehmen wir uns so wichtig und können den anderen nicht mehr sehen?

Ich weiß es nicht aber ich möchte einfach aufrufen, dass jeder für sich wieder ein Stück seines „Ichs“ findet. Okay, dafür müsst ihr wahrscheinlich zumindest nah an meine Generation herankommen, denn mein Sohn würde nicht verstehen, was ich ihm eigentlich sagen möchte. Was auch wieder zum Nachdenken anregt.

Als Eltern versucht man Werte zu vermitteln. Für mich zählt dazu, ihn aufzufordern seine Kontakte zu pflegen, liebevoll und respektvoll mit anderen umzugehen und anzusprechen, wenn das Gefühl nicht mehr stimmig ist.
Wir geben so viel auf, wenn wir nur noch nach Anerkennung streben, wenn wir uns nur noch berieseln lassen und aufhören selber zu denken und zu agieren. Das Zeitalter der Computer ist toll, ein super Fortschritt aber das Zeitalter des Miteinander scheint sich allmählich aufzulösen und das schlimme ist: Niemand scheint es wahrzunehmen.

Der Freund wird zum Feind, weil er anders denkt. Wir spalten uns nicht nur, weil wir uns Smartphones, Computern und digitalen Medien unterwerfen, sondern weil wir so intolerant geworden sind. Das hat nichts mit Rücksicht zu tun? Jeden Menschen, den ich lieb habe, der darf auch anderer Meinung sein als ich. Warum entliebt sich eine andere Meinung? Es wird immer wieder Krisen und schwierige Situationen in Leben eines Menschen geben aber eigentlich sind wir doch alle gleich. Wir unterscheiden uns durch so nichtige Dinge, dass es lächerlich ist andere anzuprangern, wo doch genügend Mist auch bei uns zu finden ist. Es gibt keine Krise in der Geschichte der Menschheit die bisher angehalten hat aber uns gibt es immer noch und unsere Freunde und unsere Nachbarn und und und.

Wir selber steuern doch, wie wir über den anderen denken und wie wir mit ihm umgehen. Ist das denn wirklich so schwer? Niemand kann doch vorschreiben, wie man denkt, handelt oder zu fühlen hat. Das sind immer wir selber.

Photo by Puwadon Sang-ngern on Pexels.com

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1 Comment

  1. Alois Weinzetl

    Dein Text ist so zutreffend und zeigt mir wieder einmal auf wie herrlich unsere Zeit ohne Handy und Computer war. Keine ständige Manipulation von Medien und mit Freunden die Real waren. Wir brauchten kein Datingportal, wir kommunizierten noch von Auge zu Auge. Jeder äußerte seine eigene Meinung und nicht die Meinung die vorgegeben wird durch Facebook und anderen Portalen.
    Ja, das Internet macht einiges leichter, aber ich vermisse die Zeit als wir nicht davon abhängig waren.
    Danke für deine Zeilen!

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