Mein Résumé nach einer Woche Wien: Zwischen Prachtbauten, Parkstrafen und Pudelproblemen
Wien. Kaiserstadt. Kulturhauptstadt. Kaffeehauslegende. Und nach einer Woche auch: mein persönliches Testgelände für Geduld, Hundetoleranz und Kleingeldreserven.
Denn sagen wir’s mal so – wenn man nicht gerade als Sisi-Reinkarnation durch die Hofburg schreiten will, sondern als normaler Mensch mit kleinem Hund und Mietwagen die Stadt erkundet, wird’s schnell… anstrengend.
Ein Hund, ein Auto und null Parkplätze
Fangen wir beim Auto an. Eine Entscheidung, die ich rückblickend irgendwo zwischen mutig und völlig daneben einordnen würde. Wien liebt Autos ungefähr so sehr wie eine Veganerin das Schnitzel. Als Tourist mit Pkw hat man genau zwei Optionen: sich durch die unsichtbare, aber gnadenlose Kurzparkzonen-Logik kämpfen – oder direkt ins Parkhaus fahren und dort heimlich still weinen, wenn man die Preise sieht.
Ich habe mich für Letzteres entschieden. Irgendwann. Nach zwei Runden Ringstraße, drei Fast-Zusammenstößen mit Fiakern und einem Parkticket, das mir als Souvenir geblieben ist.

Mit Hund in Wien? Nur mit Maulkorb – und Nerven wie Drahtseile
Nun zum zweiten Punkt, der diese Woche geprägt hat: mein Zwergpudel. Flauschig, brav, liebt Menschen. Ein bisschen wie ein rollender Marshmallow auf vier Pfoten. Und trotzdem: In Wien wird er behandelt wie eine potenzielle Gefahr für die öffentliche Sicherheit.
Maulkorbpflicht – überall in den Öffis. Egal wie klein der Hund ist. Ich habe mich ehrlich bemüht, aber versuch mal, einem Tier, das nicht mal ein Bonbonpapier zerfetzt, so ein Teil umzubinden. Es war ein Drama. Nach dem dritten Versuch hab ich’s sein lassen. Stattdessen sind wir Bus gefahren mit einem Blick, der sagt: „Wenn der Kontrolleur kommt, lächeln und winken.“
Parks? Nur in extra ausgewiesene Hundeparks darf man rein. Die sind immerhin da – eingezäunt, klar geregelt – aber eben selten genau da, wo man grad ist. Und schon gar nicht da, wo’s schön ist. Hund in den Stadtpark? Fehlanzeige. Belvedere? Auch nicht. Prater? Nur mit Einschränkungen. Fazit: Als Hundehalter fühlt man sich in Wien nicht willkommen. Man ist geduldet – unter Auflagen.
Wien, du wunderschöne Diva mit kaltem Blick
So sehr ich versucht habe, mich einzulassen auf diese Stadt – irgendwas fehlte. Oder war zu viel. Vielleicht war’s das Preisschild, das an allem hängt. Vom Apfelstrudel bis zum Einzelfahrschein. Vielleicht war’s auch die feine, aber spürbare Distanziertheit, die selbst beim „Grüß Gott“ in der Bäckerei mitschwingt.

Ja, Wien ist sauber. Ja, Wien hat ein grandioses öffentliches Verkehrsnetz – du kommst wirklich überall hin. Und ja, architektonisch ist diese Stadt ein Gedicht: imperiale Fassaden, Plätze mit Geschichte, Jugendstilträume in Pastell. Aber als Besucherin habe ich mich selten so… nicht eingeladen gefühlt.
Es ist ein bisschen wie mit einem teuren Restaurant, das auf Instagram super aussieht, aber dann vergisst, dir Wasser einzuschenken.
Mein Fazit? Wien ist eine Bühne – aber nicht jeder gehört zur Vorstellung
Wenn du alleine reist, Kultur liebst, dich gut orientieren kannst und keine Hunde oder Kinder im Schlepptau hast – Wien wird dich vermutlich begeistern. Es gibt viel zu sehen, viel zu lernen.

Aber wenn du glaubst, du machst einen entspannten City-Trip mit deinem Vierbeiner, entdeckst Parks, flanierst durch die Gassen und parkst kurz beim Café Sacher – denk nochmal nach. Oder fahr gleich nach Salzburg.
Ich nehme aus Wien nicht nur ein paar schöne Fotos mit. Sondern auch das tiefe Gefühl, dass Städte – so wie Menschen – Charakter haben. Und Wien ist eben keine warmherzige Gastgeberin. Sondern eine elegante Diva, die es nicht nötig hat, dir zu gefallen.
Und das muss man ihr irgendwie auch lassen.

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