Wie viele Wörter hat ein Roman wirklich? Der ultimative Guide für Erstautoren (2025)
Du sitzt vor deinem Manuskript und fragst dich: "Ist meine Geschichte lang genug für einen echten Roman?" Oder vielleicht denkst du dir: "Verdammt, wird das nicht viel zu lang?" Diese Frage beschäftigt jeden Erstautor – und das völlig zu Recht. Denn die Wortanzahl deines Romans kann tatsächlich darüber entscheiden, ob Verlage ihn ernst nehmen oder nicht.
Lass uns ehrlich sein: Es gibt keine magische Zahl, die garantiert, dass dein Roman erfolgreich wird. Aber es gibt durchaus Orientierungspunkte, die dir helfen, im richtigen Rahmen zu bleiben und deine Chancen bei Verlagen zu erhöhen.
Die goldene Regel: 70.000 bis 120.000 Wörter
Ein durchschnittlicher Roman umfasst zwischen 70.000 und 120.000 Wörter. Das ist die Spanne, in der sich die meisten erfolgreichen Romane bewegen. Warum gerade diese Zahlen? Ganz einfach: Es ist genug Platz für eine komplexe, vielschichtige Geschichte, ohne dass der Leser das Gefühl bekommt, sich durch einen endlosen Wälzer zu kämpfen.
Wenn dein Manuskript unter 40.000 Wörtern bleibt, wird es eher als Novelle eingestuft. Das ist nicht schlecht – aber es ist eben kein Roman. Und wenn du die 120.000-Wörter-Marke deutlich überschreitest, wird es für Verlage schwieriger, dein Buch zu kalkulieren. Besonders als Neuling hast du hier weniger Spielraum als etablierte Autoren.

Was Verlage von dir als Erstautor erwarten
Hier wird's interessant: Als Erstautor gelten für dich oft strengere Maßstäbe als für bekannte Schriftsteller. Während Stephen King auch mal einen 400-Seiten-Backstory zu seinen Charakteren schreiben kann, musst du beweisen, dass du deine Geschichte straff und präzise erzählen kannst.
Die meisten Verlage erwarten von Erstautoren eine Wortanzahl zwischen 60.000 und 80.000 Wörtern. Das ist dein Sweet Spot. In diesem Bereich zeigst du, dass du:
- Eine vollständige Geschichte erzählen kannst
- Weiß, wann du auf den Punkt kommen musst
- Die Aufmerksamkeit deiner Leser halten kannst
- Wirtschaftlich für den Verlag bist
Denk daran: Verlage sind Unternehmen. Sie müssen kalkulieren können, wie viel Papier, Druck und Versand kosten werden. Ein 80.000-Wörter-Roman ist einfacher zu handhaben als ein 200.000-Wörter-Koloss.
Genre macht den Unterschied
Nicht alle Geschichten sind gleich. Je nach Genre haben Leser unterschiedliche Erwartungen – und dementsprechend variieren auch die idealen Wortanzahlen:
Krimi & Thriller: 70.000 – 90.000 Wörter
Diese Genres leben vom Tempo. Hier ist Präzision gefragt. Jedes Wort muss sitzen, jede Szene muss die Spannung vorantreiben. Ausschweifende Beschreibungen sind hier fehl am Platz.
Romance & Liebesromane: 70.000 – 90.000 Wörter
Liebesgeschichten brauchen Zeit für Charakterentwicklung und emotionale Tiefe, aber sie dürfen nicht ins Belanglose abdriften.
Science-Fiction: 70.000 – 100.000 Wörter
Hier hast du etwas mehr Spielraum für Weltenbeschreibungen und technische Details – aber übertreib es nicht.
Fantasy: 90.000 – 120.000+ Wörter
Das Genre mit den großzügigsten Wortgrenzen. Fantasy-Leser erwarten ausführliche Weltenbeschreibungen, komplexe Magiesysteme und vielschichtige Charaktere. Aber auch hier gilt: Jedes Wort sollte einen Zweck haben.
Literarische Fiktion: 70.000 – 120.000 Wörter
Hier kommt es weniger auf das Genre als auf die Geschichte selbst an. Literarische Romane können sowohl kompakt als auch ausführlich sein.

Die berühmten Ausnahmen (und warum sie dich nicht beirren sollten)
"Aber Hemingways 'Der alte Mann und das Meer' hat nur 27.000 Wörter!" Ja, stimmt. Und "Harry Potter und der Orden des Phönix" hat über 250.000 Wörter. Diese Ausnahmen bestätigen aber eher die Regel, als sie zu widerlegen.
Hemingway war bereits ein etablierter, gefeierter Autor, als er diese Novelle veröffentlichte. Und J.K. Rowling konnte sich die epischen Ausmaße ihrer späteren Bände leisten, weil sie bereits eine riesige, treue Leserschaft hatte.
Du bist (noch) nicht in dieser Position. Deshalb solltest du dich an die bewährten Rahmen halten, zumindest für deinen ersten Roman.
Praktische Tipps für dein erstes Manuskript
Setze dir realistische Ziele: Plane nicht gleich die nächste "Game of Thrones"-Saga. Ein solider Roman mit 70.000 Wörtern ist ein großartiges erstes Ziel.
Denke in Kapiteln: Ein durchschnittliches Kapitel hat etwa 3.000 bis 5.000 Wörter. Bei einem 75.000-Wörter-Roman wären das etwa 15 bis 25 Kapitel – das ist überschaubar und planbar.
Tracke deinen Fortschritt: Schreibe täglich eine bestimmte Anzahl von Wörtern. Auch nur 500 Wörter pro Tag summieren sich zu über 180.000 Wörtern im Jahr.
Qualität vor Quantität: Lieber 60.000 starke, durchdachte Wörter als 100.000 langweilige. Deine Geschichte sollte genau so lang sein, wie sie sein muss – nicht länger, nicht kürzer.

Der Editing-Faktor
Hier ein Geheimnis: Die meisten erfolgreichen Autoren schreiben ihre ersten Entwürfe viel zu lang und kürzen dann radikal. Stephen King sagt, ein zweiter Entwurf sollte etwa 10% kürzer sein als der erste. Das ist ein guter Richtwert.
Wenn dein erster Entwurf 90.000 Wörter hat und du ihn auf 80.000 kürzt, wird er wahrscheinlich stärker und prägnanter. Jeder Satz, den du streichst, sollte die verbleibenden Sätze kraftvoller machen.
Was du beim Schreiben im Hinterkopf behalten solltest
Vergiss die Wortanzahl nicht komplett, während du schreibst – aber lass sie dich auch nicht blockieren. Es ist völlig normal, dass sich deine ursprüngliche Planung während des Schreibprozesses verändert. Manchmal braucht eine Geschichte einfach mehr oder weniger Raum, als du gedacht hattest.
Das Wichtigste ist: Erzähle deine Geschichte vollständig und überzeugend. Wenn sie bei 65.000 Wörtern rund und stimmig ist, ist das besser als sie künstlich auf 80.000 Wörter aufzublähen. Und wenn sie 85.000 Wörter braucht, um richtig zu funktionieren, dann gib ihr diese Wörter.
Dein Weg zum fertigen Roman
Für deinen ersten Roman ist ein Ziel zwischen 70.000 und 90.000 Wörtern perfekt. Das ist lang genug, um von Verlagen ernst genommen zu werden, aber kurz genug, um fokussiert und spannend zu bleiben.
Denk daran: Dein erster Roman muss nicht perfekt sein. Er muss nur fertig sein. Viele großartige Autoren sagen, dass ihr erster veröffentlichter Roman eigentlich ihr dritter oder vierter geschriebener Roman war. Das Wichtigste ist, dass du anfängst, durchhältst und deine Geschichte zu Ende erzählst.
Die perfekte Wortanzahl ist die, die deine Geschichte braucht. Aber wenn du dir unsicher bist, liegst du mit 75.000 Wörtern fast nie falsch. Das ist dein Nordstern – alles andere findest du beim Schreiben heraus.
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