Der schwierigste Teil einer Abschlussarbeit kommt vor dem Schreiben.
Viele glauben, das Problem beginne beim Schreiben.
Tatsächlich beginnt es früher.
In dem Moment, in dem man merkt,
dass das Thema noch nicht klar genug ist,
die Fragestellung wackelt
oder die eigene Position unentschieden bleibt.
Das fühlt sich nicht dramatisch an.
Eher leise. Diffus. Unangenehm.
Genau deshalb wird es oft ignoriert.

Doch Texte werden nicht besser,
wenn man diesen Punkt überspringt.
Sie werden nur glatter.
Und Glätte ist kein Ersatz für Substanz.
Du kennst das vielleicht: Da sitzt du vor dem Computer, hast schon eine grobe Idee, vielleicht sogar ein paar Notizen. Die Deadline rückt näher. Also fängst du an zu schreiben. Schreibst und schreibst. Sammelst Quellen – bei einer Bachelorarbeit wie viele quellen brauchst du eigentlich? 20? 50? 100? Du recherchierst, kopierst, fügst ein.
Aber da ist dieses Gefühl.
Dieses leise Unbehagen.
Als würdest du um den heißen Brei herumschreiben, ohne je zu seinem Kern vorzudringen.
Das liegt nicht daran, dass du nicht schreiben kannst. Es liegt daran, dass du noch nicht weißt, was du eigentlich sagen willst. Die Gedanken sind noch nicht zu Ende gedacht. Die Position noch nicht gefunden.
Und das ist völlig normal.
Aber es macht etwas mit dem Text. Er wird ausweichend. Verwendet viele Worte, ohne viel zu sagen. Versteckt sich hinter Fremdwörtern und komplizierten Sätzen. Häufige rechtschreibfehler schleichen sich ein, weil die Konzentration nicht bei der Sprache liegt, sondern bei dem Versuch, etwas zu formulieren, was noch nicht klar ist.
Schreibcoaches für wissenschaftliche Arbeiten wissen das. Sie beginnen nie mit dem Schreiben. Sie beginnen mit dem Denken. Mit dem Fragen. Mit dem langsamen Einkreisen dessen, was eigentlich gesagt werden soll.
Das ist die schwierige Phase.
Die unbequeme.
Die, in der nichts Vorzeigbares entsteht.
Nur Klarheit.
Und Klarheit fühlt sich anfangs oft leer an. Als hätte man nichts in der Hand. Dabei ist sie das Wertvollste, was du haben kannst.
Wenn du dir erlaubst, in dieser Phase zu verweilen. Wenn du nicht sofort zum Schreiben springst, sondern erst einmal sitzt. Nachdenkst. Zweifelst. Wieder nachdenkst.
Wenn du merkst, dass dein Thema noch zu breit ist, und es einschränkst.
Wenn du feststellst, dass deine Fragestellung wackelt, und sie schärfst.
Wenn du spürst, dass du noch keine echte Position hast, und dir Zeit gibst, eine zu entwickeln.
Dann entstehen Texte, die etwas zu sagen haben.
Das ist übrigens kein Problem, das nur Studierende haben. Auch professionelle Autoren kennen das. Der Unterschied ist: Sie wissen, dass diese Phase dazugehört. Sie versuchen nicht, sie zu überspringen oder zu beschleunigen.
Sie wissen, dass gute Texte Zeit brauchen.
Nicht nur Zeit zum Schreiben.
Zeit zum Denken.
Falls du gerade an deiner Abschlussarbeit sitzt und dich fragst, warum das alles so schwer ist: Vielleicht liegt es nicht daran, dass du nicht schreiben kannst. Vielleicht liegt es daran, dass du noch nicht fertig gedacht hast.
Und das ist okay.
Nimm dir die Zeit, die du brauchst. Auch wenn es sich anfühlt, als würdest du nichts tun. Du tust etwas sehr Wichtiges: Du sorgst dafür, dass dein Text etwas zu sagen hat.
Hast du schon mal erlebt, dass sich ein Text plötzlich wie von selbst schreibt, nachdem du lange um ihn herumgedacht hast? Erzähl gerne in den Kommentaren von deinen Erfahrungen.
Wenn du Unterstützung bei deiner nächsten wissenschaftlichen Arbeit suchst oder jemanden brauchst, der dir hilft, deine Gedanken zu sortieren, findest du alle Informationen auf verena-glass.com.
🙋 Hinweis zum Teilen auf Facebook
Leider lassen sich Artikel nicht mehr über einen einfachen Teilen-Button mit Facebook verbinden.
Wenn dir dieser Beitrag gefallen hat, freue ich mich riesig, wenn du ihn weiterempfiehlst. 🧡
Kopiere dazu einfach den Link oben in deinem Browser – mit Strg+C (Windows) oder Cmd+C (Mac) – und poste ihn bei Facebook.
Danke für deine Unterstützung. 💫
Entdecke mehr von Verena Glass | Ghostwriterin für Wissenschaft & Bücher
Melde dich für ein Abonnement an, um die neuesten Beiträge per E-Mail zu erhalten.
