Du hast mit ChatGPT, Claude oder einem anderen Tool an Deinem Text gearbeitet, und jetzt beschleicht Dich das Gefühl: Irgendwie klingt das nicht nach mir. Dieses Gefühl trügt selten. KI-Texte haben wiederkehrende Muster, und geübte Leser (dazu gehören Deine Prüfenden) erkennen sie schnell. Geh Deinen Text mit diesen sieben Fragen durch und zähle mit, wie oft Du „ja“ sagst.
1. Findest Du Füllfloskeln ohne Aussage?
„In der heutigen Zeit“, „spielt eine entscheidende Rolle“, „es ist wichtig zu betonen“, „gewinnt zunehmend an Bedeutung“. Streiche testweise den Satz, in dem so eine Formel steckt. Fehlt nichts? Dann war es Füllmaterial, und davon produziert KI reichlich.
2. Haben alle Sätze denselben Rhythmus?
Lies einen Absatz laut. Menschliche Texte atmen: kurze Sätze neben langen, mal eine Frage, mal ein Einschub. KI-Texte laufen oft im gleichmäßigen Takt mittellanger Hauptsätze, korrekt, aber monoton wie ein Metronom.
3. Ersetzen Aufzählungen Deine Argumentation?
Spiegelstriche sind praktisch, aber sie denken nicht. Wenn zentrale Stellen Deiner Arbeit aus Listen bestehen, wo eigentlich ein Argument entwickelt werden müsste (erst A, deshalb B, obwohl C), fehlt die gedankliche Verknüpfung, die Eigenleistung ausmacht.
4. Kleben Deine Übergänge nach Schema F?
„Darüber hinaus“, „des Weiteren“, „zusammenfassend lässt sich sagen“, „abschließend bleibt festzuhalten“. Zwei oder drei davon sind normal. Wenn aber fast jeder Absatz mit so einem Baustein beginnt, wirkt der Text zusammengesetzt statt geschrieben.
5. Stehen Behauptungen ohne Beleg im Raum?
„Studien zeigen, dass …“, „Experten sind sich einig …“, ohne dass eine konkrete Quelle folgt. KI formuliert gern allgemeines Lehrbuchwissen in souveränem Ton. In einer wissenschaftlichen Arbeit ist jede unbelegte Behauptung ein rotes Tuch, und jede erfundene Quelle ein Desaster.
6. Sind alle Absätze gleich lang und gleich wichtig?
Wer selbst denkt, gewichtet: Das zentrale Argument bekommt zwei Seiten, die Randnotiz zwei Sätze. KI verteilt Aufmerksamkeit dagegen erstaunlich demokratisch. Wenn Dein Text aussieht wie eine Reihe gleich großer Bausteine, fehlt die erkennbare Schwerpunktsetzung.
7. Wimmelt es von bedeutungsarmen Adjektiven?
„Entscheidend“, „essenziell“, „vielfältig“, „komplex“, „innovativ“. Klingt gewichtig, sagt nichts. Prüfe: Könnte das Adjektiv bei jedem beliebigen Thema stehen? Dann trägt es nichts zu Deinem bei.
Deine Auswertung
0 bis 1 Treffer: Dein Text hat eine eigene Stimme. Weiter so.
2 bis 3 Treffer: Du solltest gezielt überarbeiten: Floskeln streichen, Satzrhythmus variieren, Behauptungen belegen. Das kannst Du mit etwas Zeit selbst schaffen.
4 und mehr Treffer: Der Text braucht eine gründliche Überarbeitung, und zwar nicht kosmetisch, sondern strukturell. Genau hier wird es allein schwierig, weil man die eigenen Muster nach stundenlangem Lesen nicht mehr sieht.
Wichtig: Es geht nicht ums Verstecken
Dieser Test ist keine Anleitung, um KI-Nutzung zu vertuschen. Es geht um sprachliche Qualität und darum, dass Deine Arbeit nach Dir klingt und Deine Eigenleistung sichtbar wird. KI-Nutzung solltest Du immer nach den Regeln Deiner Hochschule angeben. Wie das geht, zeigt Dir meine kostenlose Übersicht „Die 5 Angaben bei der KI-Nutzung“.
Ob und in welchem Umfang KI an Deiner Hochschule überhaupt erlaubt ist, klärst Du am besten, bevor Du überarbeitest. Eine ehrliche Einordnung mit den wichtigsten Fragen an Deinen Betreuer findest Du in meinem Artikel Darfst Du KI für Deine Abschlussarbeit nutzen?
Du willst Unterstützung bei der Überarbeitung?
Wenn Du ab 4 Treffern liegst oder schlicht die Zeit fehlt: Ich überarbeite KI-gestützte Texte als menschliches Lektorat, mit Blick auf Stil, wissenschaftliche Sprache und sprachliche Sicherheit. Alle Details findest Du hier: KI-Texte überarbeiten lassen. Und wenn Du zuerst eine ehrliche Einschätzung möchtest, wirf einen Blick auf den KI-Check für wissenschaftliche Arbeiten.
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